Interview: Hamburger Stammtisch geht virtuell weiter #corona

Ein Interview mit dem Organisationsteam

Am 7. März fand der vorerst letzte Hamburger Windelstammtisch statt. Es gab neue Pläne und Träume: erstmals stand im Stammlokal ein separater Raum zur Verfügung, neue Aktivitäten außerhalb des monatlichen Turnus wurden vorbereitet. Dann kam der Shutdown und alles war anders. Den Kopf in den Sand zu stecken war für die Macher aber keine Option: virtuelle Stammtische wurden organisiert. Über all das hat Baerschen vom Kuddelmuddel-Team mit den Organisatoren gesprochen.

Baerschen: Wann und wie habt ihr gemerkt, dass es wegen Corona mit dem Stammtisch so nicht weitergeht?

Stammtisch HH: Eigentlich war der Stammtisch gar nicht das erste, was wir absagen mussten. Wir hatten genau für das Wochenende, als es dann mit den Kontaktbeschränkungen losging, einen Bowlingabend mit den Leuten vom Stammtisch geplant. Hin und wieder machen wir auch mal was außerhalb des Stammtischs und gerade da gab es sehr viel Interesse. Spätestens als klar war, dass die Bowlingbahn zu hat, war dieser Plan gestorben. Es war dann auch abzusehen, dass der Stammtisch ausfallen würde.

Baerschen: Wie ging es dann weiter in der Hamburger Windel-Community?

Stammtisch HH: Interessanterweise war in unserer Stammtisch-Telegramgruppe mit dem Lockdown mehr los als sonst. Viele hatten mehr Zeit, viele leben allein, es gab glaube ich ein starkes Bedürfnis, mit anderen zu kommunizieren. Man hat sich natürlich über die besondere Situation ausgetauscht, aber auch viel Quatsch gemacht. Wir haben viele BIlder gepostet, es ist fast ein Wettbewerb entstanden, wer die Freiheit im Home Office gerade am besten für seine ABDL-Leidenschaft ausnutzt. 

Baerschen: …und dann hattet ihr die Idee zu einem virtuellen Stammtisch. Wie kam es dazu?

Stammtisch HH: Gleichzeitig habe ich im Beruf gemerkt, dass sich Meetings ganz gut per Video durchführen lassen und ich habe mir überlegt, ob man den Stammtisch wirklich ausfallen lassen muss oder ob man sowas auch privat machen kann. Beim letzten Real-Life-Stammtisch waren wir gerade in den Keller unseres Stammlokals in der Schanze umgezogen, wo wir ein bisschen mehr unter uns waren, und wir hatten ganz viel positives Feedback zu diesem Stammtisch bekommen. Es wäre sehr schade gewesen, diese Dynamik zu unterbrechen.

Baerschen: Wie habt ihr das mit den virtuellen Stammtischen denn gemacht? 

Stammtisch HH: Es musste ja erstmal geklärt werden, ob und wie sich sowas technisch durchführen lässt. Wir haben da ein paar Leute, die sich auskennen, und  einer von uns hat sich gleich darum gekümmert. An dieser Stelle auch ganz vielen Dank an alle, die sich um die Technik gekümmert haben. Wir haben das über die Videochat-App „Jitsi Meet“ gemacht. Das hat zwar nicht perfekt funktioniert, aber doch ganz gut.

Baerschen: …und dann ging es los. Wie war es?

Stammtisch HH:  Wir wussten natürlich auch nicht, wie das dann abläuft. Würden alle durcheinander reden? Macht das überhaupt Spaß? Oder führt es einem nur vor Augen, was fehlt?

Ich glaube, ich kann für alle sprechen, die dabei waren: die Befürchtungen haben sich überhaupt nicht bewahrheitet. Wir hatten ziemlich viel Spaß. Ein virtueller Stammtisch hat ja auch seine Vorteile, gerade im ABDL-Bereich, gerade weil wir uns von den realen Stammtischen ja schon sehr vertraut sind.

Baerschen: Das kommt unerwartet! Welche Vorteile  gibt es denn?

Stammtisch HH: Wer will, kann zu Hause Nucki, Strampler oder auch Windeln tragen und Baby-Gläschen essen. Man kann sein Spielzeug zeigen, es gab sogar ein kleines Tischfeuerwerk. Kuscheltiere sind zwar sonst auch immer welche dabei, aber die mögen es auch lieber, wenn sie keinen so weiten Weg haben. Nach einer Weile hat es sich überhaupt nicht mehr so angefühlt, als säße man allein in der Wohnung vor dem Rechner. Man hatte wirklich das Gefühl, man macht was mit anderen zusammen – genau das ist es ja, was uns gerade so fehlt.

Baerschen: Wie geht es jetzt weiter?

Stammtisch HH: Der nächste Stammtisch wäre für den 6. Juni angesetzt. Ob dieser wieder real stattfinden kann oder noch einmal virtuell, müssen wir mal sehen. In unserem Stammlokal wären wir ja doch recht viele auf eher begrenztem Raum. Mal schauen, ob das dann möglich und vernünftig ist. Wir hoffen es natürlich sehr: ganz das gleiche ist ein virtueller Stammtisch eben nicht und es wäre schon toll, wenn wir uns bald wieder sehen können.

Dann werden wir endlich auch den Bowlingabend nachholen, den wir geplant hatten, und bestimmt noch einige andere Sachen machen, Picknick, Grillen, Kanu fahren usw.

Baerschen: Selbst wenn wir uns bald alle wieder real auf Stammtischen treffen könnten – habt ihr Gefallen am virtuellen Stammtisch gefunden? Würdet ihr das zukünftig nochmal machen?

Wenn es im Juni noch nicht in echt geht, dann gibt es am 6. Juni auf jeden Fall wieder einen virtuellen Stammtisch. Den werden wir dann dieses Mal auch hier auf Kumu und auf anderen Plattformen ankündigen, so dass auch neue dazustoßen können. 

Baerschen: Es ist ja etwas recht Intimes, sich mit anderen quasi im eigenen Wohnzimmer zu treffen. Eignet sich das zukünftig als zusätzliches Angebot zum realen Stammtisch?

Stammtisch HH: Vielleicht ist für manche die Hemmschwelle bei einem virtuellen Stammtisch sogar niedriger. Wer interessiert ist, darf natürlich auch gerne erstmal in unsere Telegram-Gruppe kommen: https://t.me/joinchat/K00dGEmg9S-qGmeRmsJ5iw

Baerschen: Danke fürs Interview. Euch alles Gute für euren Stammtisch! 🙂

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